Ab heute ist Flora älter als 11 Monate. Das interessante daran ist, das Flora gestern noch 10 Monate war und sie einfach keinen 11 Monatstag hatte. Das ist einerseits ein bischen gemein für Flo und erinnert mich andererseits an offene Intervalle und so.
Genug der Pseudomathematik. Wir haben garnicht schlecht geschlafen und sind dann frühstücken gegangen. Dort haben wir mit Freude bemerkt, dass es super Internet gibt, was wir gleich zum Skypen genutzt haben. Gepostet haben wir nur das Video weil das Tagebuch nicht geschrieben war und die Fotos noch nicht sortiert.Wir wollten eigentlich nach Gaiman fahren, was ein kleines Städtchen ist, in dem die walisischen Ursprünge dieser Gegend noch ganz gut sichtbar sein sollen. Es war dann aber schon 12 oder so als wir rausgegangen sind und so haben wir erst einmal versucht die Wäsche gewaschen zu bekommen. Schon am Weg dort hin ist uns aufgefallen das es wirklich heiß ist. Nicht so 30 Grad heiß sondern richtig. Wann immer man ein paar Schritte in der Sonne gegangen ist, ist man richtig grantig geworden und wenns zu lange war eher schwindlig. Nachdem ich in der Wäscherei war haben wir beschlossen wir gehen zu diesem See der auf dem Stadtplan eingezeichnet ist und am Weg setzen wir uns noch in ein klimatisiertes Kaffee. Überhaupt ist Karin, die ja immer die schlimmste Feindin des Airconditionings war zu einer glatten Befürworterin geworden. Solange sie den direkten Luftzug auf Flora abstellen kann findet sie auch 21 Grad super. Obwohl das hier doch einiges unter der Außentemperatur liegt, wieviel dazu komme ich noch. Ich hab dann beschlossen ich hab Hunger und wir sind in einen Tenedor Libre gegangen. Das ist ein Friss-was-du-kannst um nicht ein Fremdwort durch ein anderes zu ersetzen. Das Essen war leider stark untermittelmäßig. Was ich umso unverständlicher finde als es mit gut frequentiert war und definitiv keine Touristenfalle und auch nicht billig. Flora ist allerdings voll auf ihre Kosten gekommen. Sie hat ein anderes Baby und ein 5 oder 6 jähriges Mädchen gefunden mit denen sie spielen konnte. Das Mädchen hat sogar nach Flos Lieblingsspiel gefragt und hat dann wirklich Guckguck mit ihre gespielt. Verstecken haben sie auch probiert aber da kann Flora nur die Sucherin spielen, verstecken ist ihr noch zu hoch. Irgendwannals wir schon fertig waren ist der gesamte Strom ausgefallen. Radio, Licht und Klimaanlage und niemand hat etwas gemacht oder auch nur was gesagt. Das war schon eher indisch. Als wir endlich den See sehen konnten musste Karin mit Flo aufs Klo und dort gab es neben dem Spielplatz auch eine öffentliche Toilette. Die Klofrau hat uns leider erklärt, das der See eine Kloake ist und wir besser nicht einmal ans Ufer gehen. Weil ihre beiden Enkelkinder auch da waren und Flo mit ihnen gespielt hat sind wir ein bischen im Schatten des Klohauses geblieben. Die Frau war Chilenin und nur etwas über 50. Sie hat aber schon 10 Enkelkinder und auch noch eine Oma die lebt. Die Enkerl haben also eine Ururoma, wie cool ist das. Was nicht so cool war ist, das sie uns erzählt hat, dass sie nur 280 Pesos im Monat verdient. Unser Mittagessen hat gerade 110 Pesos gekostet. Das geht sich auch genauso schlecht aus wie es sich anhört, sie zahlt 170 Pesos Strom im Monat und kann nur leben weil ihr das Haus gehört und ihre Kinder ihr helfen. Ganz blicke ich aber noch nicht durch die argentinische Wirtschaft. Sie ist immerhin bei der Stadt angestellt aber das hilft hier scheinbar nicht viel.
Wir haben also mit ihr so geplaudert als sie uns dann erklärt wie heiß es wirklich ist. Sie hat gesagt es hat sowas wie 45 Grad. Nicht im Schatten natürlich, aber leider gibt es fast keinen Schatten. Innerhalb von 5 Metern von einer sonnenbeschienenen Fläche ist es aber unendlich heiß weil soviel Wärme abgestrahlt wird. Als wir dann gegangen sind ist Flo am Spielplatz zum ersten mal gerutscht. Sie hat es super gefunden aber leider hat es dann zu regnen begonnen. Wir haben leider nicht gecheckt was es bedeutet wenn es in Patagonien ein Wärmegewitter gibt und sind in Richtung des Museums gegangen, das wir besuchen wollten. Auf einmal ist ein Orkanartiger Sturm aufgekommen und der Regen ist nur so auf uns eingeprasselt. Wir haben schnell in einer Schule Schutz gesucht und sind dann nach 20 Minuten weitergegangen. Leider war es sofort nach Ende des Gewitters wieder brühend heiß. Im Dinosauriermusuem gab es zum Glück eine Klimaanlage. Auch die wenigen kompletten Skelette die sie hatten waren wirklich beeindruckend. Am coolsten sicher die beiden Beine des 100 Tonnen schweren Argentinosaurus. Da waren die Unterschenkelknochen einfach so dick wie Baumstämme. Beim Einkaufen im Carrefour haben wir 30 Minuten an der Kassa gewartet. Seriously.
Eine Hoferkassiererin arbeitet mindestens 10 Mal so schnell und dann ist auch noch die Kasse abgestürzt und hat dann die Kreditkarte der Kundin vor uns nicht mit 35 Pesos belasten wollen. Ich war dann noch alleine schnell die Wäsche holen und Geld abheben. Nach dem ich beim vierten Bankomaten endlich mein Geld bekommen habe, sehe ich auf einem Gebäude so eine Uhr mit Temperaturanzeige. Es ist 20:00 und es hat 37 Grad. Im Schatten.

