Nach den ruhigen Tagen in Parana war wieder reisen angesagt. Nach Colon sind es zwar nur lächerliche 4 Stunden aber eigentlich wollten wir ja noch weiter nach El Palmar, was bedeutet noch eine Stunde im Bus noch Ubajay und dann ein Taxi zum Campingplatz. Als wir dann aber in Colon ankommen ist Karin zu fertig und will nicht eineinhalb Stunden auf den Bus warten und dann noch Action. Im Bus hat uns Nico gesagt, dass er auch campen geht und uns den Camping Norte empfohlen. Wir fahren gemeinsam hin, in zwei Taxis weil die hier mit Erdgas fahren und keinen Kofferraum haben. Beim Zeltaufbau fressen uns gleich einmal die Gelsen aber sonst ist alles gut und wir essen ein köstliches Packerlrisotto. Den Abend verbringen wir am Fluss und in unserem neuen Stammkaffee Juanes.
Am nächsten Morgen wollen wir am Fluss frühstücken. Das wollen die Götter aber nicht so gerne, deshalb stellen wir erst fest, dass Ameisen in unseren Frühstücksflocken sind (essen wir trotzdem, man kann sie ja runterblasen) und dann geht uns noch das Gas aus. Das passiert leider nicht sofort sondern schleichend. Die Leistung des Brenners wird immer weniger und das Wasser wird einfach nicht heiß. Ohne Kaffee getrunken zu haben packen wir unsere Badesachen und machen uns auf den Weg zur Therme. Wer sich das jetzt wie Oberlaa neu vorstellt würde sehr enttäuscht sein. Es ist auch nicht so wie Oberlaa alt sondern eher eine Ansammlung von betonierten kleinen Becken mit unterschiedlich warmen Wasser. Davon sind auch nur 3 überdacht die zusammen vielleicht 70m2 haben. Also alles in allem eine sehr bescheidene Angelegenheit, aber das Wasser ist echt warm (außer in den Babybecken) und Flora ist begeistert, dass sie überall alleine rumrennen kann. Vor der Therma waren wir noch am Busbahnhof um uns Tickets nach El Palmar zu besorgen. Der Bus um 10:55 gibt uns genug Zeit um das Zelt zusammenzupacken.
Ich wache um 5:39 auf und es regnet. Ich denk darüber nach was noch draussen ist. Die Töpfe, Strohmatte, Badesachen und Handtücher sowie ein paar Windeln auf der Wäscheleine. Nicht so schlimm, aber ich zieh die Strohmatte rein damit das Wasser nicht ins Zelt rinnt. Ich kann schlecht wieder einschalfen und denke daran wie ich das in der Früh machen soll mit dem Zelt und so. Um 9 wacht Flora auf und findet das Geräusch am Zeltdach ganz lustig. Ich find es weniger lustig, dass auf den Seiten das Wasser unter dem Zelt reinrinnt. Wir ziehen uns irgendwie unsere Regensachen an packen Flo ins Buzzidil mit Cover und gehen los. Ich hab auf Karins Rat hin meine neuen Flipflops an, was wie eine gute Idee wirkt da man den Lacken nicht wirklich ausweichen kann.Wir kommen erst mal nur bis zum Eingang und fragen sie ob sie uns ein Remis rufen können. Können sie aber nicht, sie haben kein Telefon. Im Jahr 2011 hat ein Unternehmen mit mehreren anwesenden Mitarbeitern das Umsätze zwischen 100 und 1000 Euro am Tag macht, kein Telefon. Aber gut. Wir gehen also die Strasse in richtung Zentrum vor. Aber wo gestern noch eine Strasse war ist heute ein Nebenarm des Rio Uruguay. Im Schlamm bleiben meine Flipflops immer picken und ich komm nicht nach. Ich lass sie dann einfach stehen, wieder einmal bestätigt in meiner Überzeugung das ich nicht für Flipflops gemacht bin. Wir sind nach 2 Cuadras waschelnaß und nichts hat offen. Karins Flipflops spritzen mit jedem der namensgebenden Bewegungen Schlamm auf ihren Hintern und sie schaut aus wie ein Downhill Mountainbiker. Das trägt sicher mit dazu bei das uns kein Auto mitnehmen will und Taxis gibt es leider keine. Endlich öffnet wer eine Türe und lässt uns rein. Wir wischen uns ein bisschen ab und setzen uns hin. Leider eröffnet uns der freundliche Kellner bald, dass wir nichts zu frühstücken bekommen weil das Lokal erst um 12 Uhr wirklich aufmacht und er nichtmal den Schlüssel zur Kaffeemaschine hat.
Das ist aber nur halb so schlimm wie die Auskunft, dass es mindestens einen Tag so regnen wird. Das heißt einmal wir fahren nicht nach El Palmar heute.
Als der Regen ein bisschen nachlässt gehen wir einen Block weiter zu einem Lokal mit Frühstück. Dort kann man auch schlafen und nach ein wenig hin und her entscheiden wir uns das Zimmer zu nehmen. Nur für eine Nacht, weil dann Ostern anfängt und alles ausgebucht ist. Wir warten mal eine Zeitlang aber sie finden den Schlüssel nicht.
Ich mach mich dann auf den Weg unser Zelt abzubauen. Ich komm an meinen Flipflops vorbei und probier sie nochmal an. Es geht aber doch. ??? Das geht erstaunlich gut. Schlimm war nur, dass die Töpfe draussen waren und die Sachen auf der Wäscheleine. Danke Roman von gestern, dass du nicht 2 Minuten aufstehen hast können und den Dreck reingeräumt hast. Die Rucksäcke sind auch ziemlich naß aber dank Stuffsacks, ist das Gewand alles trocken. Ich bau dann das Innenzelt zuerst ab und pack es in den Beutel und das Außenzelt lege ich samt Gestänge auf einen Tisch und kann so vermeiden das es im Schlamm liegt. Nachdem ich das alles so clever gemacht habe, ist das Zelt und alle Sachen trotzdem dreckiger als jemals zuvor.
Nachdem es ja keine Taxis gibt mach ich mich zu Fuss auf den Rückweg. Bis dahin war ich nicht komplett nass, auch weil ich viel im Zelt erledigen konnte. Nachdem ich den nassen Rucksack festzurre drückt es mir aber das ganze Wasser durch die Hose. An dieser Stelle möchte ich jedem davon abraten eine ernsthafte Reise mit einer Softshelljacke oder Hose zu machen. In Wien ist das absolut super weil man nicht soviel schwitzt und meistens eh nur kurz im Regen ist. Auch bei einem Ausflug oder einer Tageswanderung ist meine Jacke zumindest super. Ich bin erst einmal wirklich nass darunter geworden und das war auch bei Patagonischem Starkregen. Aber die Hose lasst irgendwann alles durch und die Jacke bekommt in etwa 7 Kilo weil sie so vollgesogen ist, auch wenn man darunter erstaunlich trocken bleibt. Für die Shellindustrie war das aber die beste Idee weil man jetzt eigentlich am besten eine Softshell und eine Hardshell braucht. Wenn ich wählen müsste Nur, wo trocknet man den Scheiß?In unserem Fall war die Antwort darauf, in dem riesigen Zimmer mit Galerie das wir bekommen haben weil sie den Schlüssel zum Zweitbettzimmer einfach nicht finden konnten.
Die Heizung heizt dort nur oben und wir hatten es unten angenehm während oben alles inklusive dem Zelt trocknen konnte. Wir haben dann den Tag einfach dort verbracht und ich bin in der kurzen Hose mit Fleece herumgelaufen weil alles andere naß war. Am nächsten Tag haben wir mal ausgecheckt und sind ins Juanes gegangen. Dort haben wir mit zwei Iren aus Amerika reredet und sind durch den Wetterbericht zu dem Schluß gekommen, dass wir nicht nach Palmar fahren werden um dort zu campen. Das war am Donnerstag als der ganze Osterscheiß so richtig begonnen hat. Wir waren noch nicht wirklich gestresst aber Karin hat schön langsam angefangen. Als ich mit Flora rausgegangen bin damit sie ihren Mittagsschlaf machen kann habe ich einen Mann gesehen der gerade in sein Haus ein 'zu vermieten' Schild gesteckt hat. Ich hab ihn gefragt was es so kostet und wir haben uns geeinigt das er mir noch Apartements zeigt. Das war dann echt ok und nur sehr teuer, was aber in anbetracht der Zeit klar war.
Am Abend waren wir dann im Zentrum, Flora ist Karusell gefahren und hat geschaut wie ein Alien in ihrem UFO. Zu unserem Glück fanden wir das beste Gemüsegeschäft der Reise und konnten uns ein super Essen kochen.
Den Freitag verbrachten wir wieder in der Therme und ein heftiger Nachmittagsregen hat uns darin bestätigt besser in Colon zu bleiben.
