Nachdem wir für die letzte Nacht in Villa de Angostura ja ein Zimmer hatten blieb uns wenigstens erspart, das Zelt am Morgen naß zusammenzupacken. Außerdem konnten wir sicher eineinhalb Stunden länger schlafen, weil wir das Gepäck schon am Vortag großteils zusammengepackt hatten.
Unser bestelltes Taxi kam auch prompt und lieferte uns um 7:20 am Busbahnhof ab. Der Bus ging erst um 7:45 aber man weiß ja nie, vor allem in Argentinien.
Ich frag sie aber trotzdem gleich mal und sie sagt sicher, sie ruft einmal an. Der Preis war dann mit 350 USD für uns beide schon happig aber das habe ich ja eh gewusst. Es ist ja ein Beitrag zur Forschung, die Ausgrabung wird seit ein paar Jahren so finanziert. Nachdem es dort keinen öffentlichen Transport gibt nimmt uns Flavia am nächsten Morgen mit einem Auto mit dass sie sich ausgeborgt hat. Als wir ankommen finden wir eine wirklich hübsche Oase in der roten Staubwüste vor. Die 5 Forscher die hier permanent leben haben sich ihre Containersiedlung ein bisschen begrünt und sogar zwei Hunde leben im Moment dort. Nachdem wir gleich zu Maté eingeladen worden sind begehen wir das Freiluftmuseum mit Flavia. Sie erklärt uns allerlei über Fossilisation und Steine und Flora ist voll begeistert. Sowohl das Pferdeskelett als auch die überall herumliegenden Steine haben es ihr angetan. Der Fortschritt ist ein bisschen langsam weil Flo immer wieder Steine aufheben muss. In einer Art kleinem Hangar sind die Schmuckstücke der Ausgrabung zu sehen, unter anderem das 80% erhaltene Skelett einer Art Diplodokus der über 25 Tonnen gehabt haben soll. Das Mittagessen mit den Paläontologen war wunderbar denn ese kocht Flavio, der zu unserem GlückItaliener ist. Italiener, aus Rom. Es hat so eine Art Tortellini mit Bolognese oder Zucchinesauce gegeben, dazu Salat und selbst gebackenes Ciabatta. Es gab sogar Nachtisch mit argentinischer Note, Crema de Dulce de Leche. Im Gegensatz zu typisch argentinischen Nachspeisen war die aber wirklich gut, nicht nur ur süß. Ahja und Espresso aus einer kleinen Bialetti. Dieser kulinarische Ausflug in die alte Welt war das Geld schon fast alleine wert. Als wir wieder zur Grabung kommen erklärte uns Flavia dass man zuerst immer den Boden absuchen muss und findet gleich mal einen Zahn. Wahrscheinlich vorher platziert um uns ein erstes Erfolgserlebnis zu geben denn beim Graben ist es dann nicht so leicht. Wir fanden zwar ein paar Knochensplitter aber ein neuer Saurier geht sich leider nicht aus. Wir haben ein bisschen Glück gehabt und Flo lässt sich nachdem sie eingschlafen ist auf einen der Schaumstoffpolster legen die man zum Graben verwendet. So konnten wir beide eine halbe Stunden gleichzeitig was machen.
Als sie wieder aufgewacht ist, "hilft" sie Karin bei der Ausgrabung. Irgendwann wollte Karin dann wieder alleine was machen und ich bin mit Flora zum See runter gegangen. Fünf Minuten später ruft mich Karin schon wieder weil es fünf ist und wir aufbrechen. Karin war dann ziemlich grantig weil sie nicht so gut alleine Arbeiten hat können und wir nicht auf die Uhr geschaut haben. Außerdem haben die Paläontologen dann noch Mate getrunken, was uns natürlich komplett sinnlos erschienen ist, aber so ist das mit den Argentiniern. Joan aus Hongkong wäre auch gern zum Proyecto Dino gefahren aber ihr war es dann doch zu teuer. Wir haben uns aber mit ihr ausgemacht am nächsten Tag nach Villa El Chocon zu fahren und die Dinosaurierfußstapfen anzusehen. Um 8:30 nehmen wir den Bus und sind Stunden später auch dort. Praktischerweise ist die Bushaltestelle gleich neben dem Museum und wir gehen mal rein. Der Eintritt ist erfreulich billig und die Saurier in der Ausstellung wirklich großartig. Einerseits haben sie fast das ganze Originalskelett des Gigantosaurus Carolinii, der der größte je lebende Fleischfresser war (take that T-Rex) als auch einige wirklich schöne Nachbildungen der in Argentiniern gefundenen Saurier. Weil die Fußstapfen ein Stück weit weg sind, haben wir sie gefragt ob sie uns nach dem Museumsbesuch ein Taxi rufen können. Weil das aber ein Provinznest ist und dort alle spanisch reden wie wenn sie besoffen sind und einen Socken im Mund haben geht das schief und das Taxi ist sofort da. Nachdem man uns versichtert hat, dass wir wieder ins Museum können, sind wir zum Taxi rausgegangen. Ich habe dann versucht zu erörtern wo wir genau hinfahren können. Leider war es unmöglich irgendwas komplett zu verstehen. Extrem frustriert einigen wir uns darauf zum Museu del Sitio zu fahren, dass bei Joan im Reiseführer eingezeichnet ist.
An einer Kreuzung drehte sich der Fahrer dann um und fragte mich ob ich Spanisch verstehe. Leicht verwundert sagte ich ja, ich hatte immerhin gerade 3 Minuten versucht von ihm zu erfahren wo wir hinfahren könnten. Vielleicht hat er gedacht es gibt Schulen wo man nur reden lernt aber nicht verstehen, was ja bedingt sogar stimmt. Hier schafft er aber in zwei deutlichen Sätzen zu erklären, dass es einen Fußweg gibt der in eine Richtung 4 Kilometer ist und das ist uns wiederrum zu weit. Am Weg sah ich dann ein Schild "Huellas de Dinosaurios" und mir ging ein Licht auf. Es gibt in der Gegend auch viele Knochenfunde und Eier, auf spanisch Respektive "Huesos y Huevos de Dinosaurios". Von einem schnauzbärtigen Provinztaxler in Argentinien ausgesprochen ist das alles mehr oder weniger das selbe. Nachdem ich im allgemeinen sehr ausgelastet bin zu erkennen wo neue Worte beginnen und alte aufhören habe ich auf die Mitte nicht so genau geachtet.Aiueschasaschar heißt zum Beispiel, dort gibt es Fußabdrücke. Wir wurden dann zum Glück genau dort hingeführt wo wir hinwollten auch wenn ich es mir spektakulärer vorgestellt hätte. Mit kaputtem Stacheldraht sind einige der besterhaltenen Abdrücke eingezäunt und man kann auf Eisenstegen über ihnen gehen und auf sie hinunterblicken. Schön ist, dass man gut sehen kann, dass größere und kleinere Saurier nebeneinander her gegangen sind, oder wie unser Remisero uns erklärt hat, Mama, Papa und Bebe. Neben dem Käfig gibt es auch freiliegende Stapfen. Der See legt bei Hochwasser nach der Schneeschmelze immer wieder welche frei und zerstört im Gegenzug dazu alte wieder. Deswegen haben die Argentinier auch nicht so das Gefühl das sie darauf aufpassen müssen und machen auch schon mal ein Lagerfeuer in den Abdrücken.
Unser Fahrer wollte, dass wir wieder ins Auto einsteigen und ich erklärte ihm dass er bitte ganz langsaaaaam und mittt deutttlichen Pausen sprechen mussss. Das fand er sehr lustig aber er machte es dann und ich konnte ihn endlich besser verstehen. Leider hat er uns zu diesem Zeitpunkt dann was über die angeblich in den Bergen gelandeten Aliens erzählt, den toten Schafen und Kühe ohne Zunge und den verschwunden Menschen. Nachdem er so die letzten Provinzklischees bestätigt hatte, lässt er uns bei einem weiteren Käfig raus wo wir aber gar nicht hingehen brauchen, die bessern Spuren sind im Freien. Wir haben die Spuren dann einige Zeit verfolgt und sind mit ihm dann wieder in die Stadt zurückgefahren.
