Heute haben wir es geschafft. Wir haben gestern schon alles gepackt, fast das ganze Gewand ausgesucht und den Wecker auf sechs gestellt. Nachdem wir die Bustickets schon gekauft hatten war die Motivation auch größer.
Karin ist so um viertelsieben wirklich aufgestanden und hat die Sandwiches gemacht. Um sieben haben wir dann gefrühstückt und sind dann ab um Bus. Als wir aus der Tür gegangen sind bin ich komplett explodiert als Karin mr dreimal gesagt hat dass ich den Schlüssel dalassen soll. Ich hab ihn schon weggepackt gehabt und wollt ihn nicht rausnehmen. So rückblickend betrachtet wirkt das nicht so tragisch aber in dem Moment hat es Sinn ergeben sich voll aufzuregen. Wirklich. Nachdem ich schon am Ankunftstag geglaubt habe, die Wasserflasche verloren zu haben war ich noch sauerer als sie jetzt wirklich weg war. Sicher wegen dieser Schlüsselsache, da war ich gleich noch wütender und bin zurückgelaufen und siehe da ich hab sie auf der Bank vor dem Hostel liegen lassen.
Trotzdem Karins Schuld habe ich gefunden.
Wir sind die zwei großen Rundwege gegangen was nur eine Stunde dauerte und haben uns dann auf einem der Balkone platziert um das herunterbrechen zu beobachten. Das Problem ist, das wenn man das Geräusch hört, das Spektakel schon vorbei ist. Der meiste Lärm entsteht erstens beim ins Wasser fallen und selbst wenn es vorher ordentlich knackt und kracht, ist die Schallgeschwindigkeit leider unzureichend. Der Lichtgeschwindigkeit sei dank gibt es dafür einen Ausweg, nämlich ohne zu blinzeln angestrengt auf die Gletscherwand zu starren. Wir haben auch wirklich ein paar schöne Abbrüche gesehen und sind dann irgendwann vor der Kälte des Windes geflüchtet. Karin war besonders kalt, weil sie nur ihren Icebreaker mithatte und nicht ihr dickes Fleece. Es war ihr offenbar nicht so klar das der Wind der über hunderte Quadratkilometer Eis zu uns bläst kalt sein würde. Wir haben also nochmal die Cafeteria frequentiert und es war jetzt auch schon mehr los. Als ich vom heiße Schokolade holen zurückkomme sehe ich das Karin mit einem älteren Ehepaar plaudert und fang dann auch an mit dem Mann ein wenig zu reden. Er ist Zahnarzt und ist von meinem Spanisch so begeistert, dass er mit mir gleich über die Veränderung Europas durch das Ende des kalten Krieges redet. Wie jeder der mich kennt weiß eines meiner Lieblingsthemen. Als wir dann auf unsere weiteren Reisepläne zu sprechen kommen und bemerken, dass wir nach Paranā fahren wollen, laden sie uns kurzerhand zu sich ein weil sie nur 100 km weit weg wohnen und sowieso ein großes Haus haben. Sie haben auch 7 Enkelkinder, vielleicht ist da eines für Flo zum Spielen dabei. Wieder draußen, will Flora unbedingt selber gehen. Wir machen also langsamst unseren Weg über den Parkplatz zum Beginn der Stege als erst einer, dann zwei und in weiterer Folge noch mehr als 10 Leute uns fragen ob sie sie nicht in ihrem Drachenkostüm fotografieren dürfen. Um Flos internationalem Ruhm nicht im Wege zu stehen sagen wir stets ja, wobei wir von einem Franzosen ein Keks als Abgabe verlangen, das Flora auch sofort verspeist. Ein chinesisches Paar hat sich sogar mit Flora zusammen gegenseitg fotografiert. Sie hat das alles recht lustig gefunden aber eigentlich ganz normal. Was sollen die Leute denn sonst fotografieren als sie, den komischen blauen Eiswürfel da hinten? Vor meinem geistigen Auge spielt es eine Montage ab in der Familien aller Länder sich langweilige Urlaubsdiashows ansehen in der überall ein kleiner grüner Flozilla vorkommt. Und alle sagen Que linda in ihrer Landesprache. Flora Superstar halt. Zu unserer heutigen Fotosituation kann ich nur sagen, schon wieder kein Akku.
